Flamencotheater heute stellt ein eigenes Genre dar. Durch das Inszenieren einer Thematik, die entweder direkt mit dem Flamenco zu tun hat oder in einen Kontext gestellt wird, gewinnt der Flamencogesang, die –musik und auch der –tanz an Sinn und Prägnanz. Gerade für ein nicht-spanisches Publikum, die dem Textgehalt oder der Tradition aus Verständigungsgründen nicht folgen können, stellt das Flamencotheater eine zugängliche Theater-Form dar. Ohne die Faszination oder die ursprüngliche Kraft des Flamenco zu zerstören, arbeitet die Companie an den theatralen Themen. Ob Sprache, Film, szenische Handlungen oder elektronische Musik: dicht an der dramaturgischen Leitung wird mit Flamenco und allen angrenzenden Sparten Theater gemacht. Regisseure aus Sprechtheater oder Film, Musiker aus Orchestern, Schauspieler und Tänzer, alle kommen in der Arbeit von CMF miteinander in Berührung und lassen sich von dem kraftvollen Sog des Flamenco mitreißen.

Um dem virtuosen Anspruch gerecht zu werden, setzt sich die Companie aus professionellen Tänzern und Musikern zusammen. Je nach Produktion wechselt die Besetzung. 5 Nationalitäten in der Companie zeigen, wie international die Sprache des Flamenco ist. Flamenco wird zwar in Spanien gelebt und hat auch seine Wurzeln in Andalusien, doch ist heute eine Seelenverwandtschaft verbindend und tragend, kulturell wie auch politisch hat man es mit europäischem Erbe zu tun. Auch das ist immer wieder Thema bei CMF: die Hintergründe, die uns die Geschichte liefert, gibt uns genug Stoff, in großen, weiträumigen Gedanken zu inszenieren.

Die Arbeitsweise der Companie unterscheidet sich maßgeblich von vielen Anderen: durch das szenische Improvisieren, ergeben sich Situationen, die aus dem »normalen« Flamencorahmen herausgehen. D.h. die Mitwirkenden nehmen ganz entschieden Einfluß auf die Entwicklung eines Stückes und begeben sich zwangsläufig auf künstlerisches Neuland: ein Tänzer muß sprechen, ein Musiker muß sich auf der Bühne bewegen, das Ensemble agiert als Gruppe, ganz unabhängig von den einzelnen Funktionen.

Auch die Flamencomusik bewegt sich auf neuen Wegen. Durch den mitwirkenden Gitarristen und Komponisten Mariano Martin ist es möglich neue Instrumente in die schon bestehende Musik einzuarbeiten sowie auch elektronische Verfremdungen zu riskieren. Kompositionen sind nach wie vor unüblich in der Flamencokunst, können aber im Beispiel von CMF »fachfremden« Musikern die Möglichkeit geben, sich auf die tiefe und gehaltvolle Musik und Art des Musizierens einzulassen. Besonders die E-Musik eignet sich um Stimmungsbilder wiederzugeben oder zu provozieren oder anders gesagt: es entsteht ein aktuelles Theatergeschehen mit modernen Flamencokünstlern.

Zentraler Ort der Companie ist Stuttgart. Im Produktionszentrum Tanz und Performance ist die konstante Möglichkeit zu proben, zu produzieren, zu trainieren und, in Form von Werkschauen, an die Öffentlichkeit zu gehen.

Der Einsatz der motivierten Technik und Verwaltung, trägt jede Veranstaltung. Der hohe Aufwand im licht-und tontechnischem Bereich erfordert von den einzelnen Technikern hohe Einsatzbereitschaft und Kompetenz. Eine Companie, die vom morgendlichen Aufbau und nächtlichem Abbau lebt, lebt von den Menschen, die bereit sind, diese Disziplin und Lebensweise der Kunst zur Verfügung zu stellen. Die Verwaltung hält alle Fäden in der Hand und koordiniert komplizierte Abläufe wie auch indisponierte Seelenzustände. Diese Arbeit ist so unsichtbar und wiegt schwerer als 70qm Tanzboden.

Nicht zuletzt sind es die Künstler selbst, die durch ihr Können und Engagement die Companie am Leben erhalten, denen kein Boden zu hart, keine Garderobe zu kalt oder kein Sprudel zu sprudelig ist, wenn es darum geht, dem Publikum ihre Kunst zu schenken.

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